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KI-Kurs mit Bildungsgutschein

AZAV erklärt: was die Akkreditierung wirklich bedeutet

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Aktenordner mit AZAV-Zertifikat auf einem Schreibtisch in ruhiger Büro-Atmosphäre

AZAV steht für Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung und ist die rechtliche Grundlage dafür, welche Bildungsträger einen Bildungsgutschein annehmen dürfen. Die Verordnung ergänzt die §§176ff SGB III. Wer einen KI-Kurs über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter finanzieren lassen will, kommt an AZAV nicht vorbei. Der Anbieter muss zertifiziert sein, die einzelne Maßnahme muss zertifiziert sein, und beides muss nachweisbar sein.

Was dieser Ratgeber NICHT ist: Einzelfallberatung. Für rechtliche Einzelfragen wende dich an einen Anwalt für Sozialrecht, den Sozialverband VdK oder die Caritas. Dieser Artikel ist allgemeine Information. Für deinen konkreten Fall ist dein Berater bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter zuständig.

Was AZAV genau regelt

Die AZAV ist eine Bundesverordnung, die festlegt, unter welchen Bedingungen Bildungsträger Maßnahmen der Arbeitsförderung anbieten dürfen. Sie wird von der Bundesregierung erlassen und ist seit 2012 in Kraft. Vor AZAV galt die AZWV, die durch die heutige Regelung ersetzt wurde.

Die Verordnung verfolgt drei Ziele. Qualitätssicherung bedeutet, dass Bildungsträger ein dokumentiertes Qualitätsmanagementsystem nachweisen müssen. Transparenz heißt, dass Maßnahmen zentral in KURSNET der Bundesagentur für Arbeit erfasst werden. Und Haushaltsschutz sorgt dafür, dass öffentliche Mittel nur in geprüfte Maßnahmen fließen, nicht in beliebige Kursangebote.

Der wichtigste Hebel für dich als Antragsteller: Ohne AZAV-Zertifizierung ist kein Bildungsgutschein einlösbar. Punkt.

Wer prüft die Anbieter

AZAV wird nicht von der Agentur für Arbeit selbst geprüft. Die Behörde delegiert die Prüfung an akkreditierte Zertifizierungsstellen. Diese sind unabhängige Organisationen, die ihrerseits von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) zugelassen wurden. Die bekanntesten Zertifizierungsstellen sind DEKRA und TÜV. Beide prüfen jährlich, ob der Anbieter die AZAV-Anforderungen weiterhin erfüllt.

In der Praxis läuft das so: Ein Auditor der Zertifizierungsstelle besucht den Anbieter, prüft Akten, Prozesse, Lehrkonzepte und Räume. Bei Online-Kursen prüft er die Lernplattform, die Kommunikationswege und die Dokumentation. Werden Mängel festgestellt, gibt es eine Frist zur Nachbesserung. Wird nicht nachgebessert, kann die Zertifizierung entzogen werden.

In unseren Beratungsgesprächen sehen wir oft, dass Antragsteller AZAV mit einem Anbieter-Siegel verwechseln. Das ist es nicht. AZAV ist eine staatlich verordnete Pflicht, die unabhängig geprüft wird.

Was AZAV vom Anbieter fordert

Die Anforderungen sind in der Verordnung selbst und in den ergänzenden Richtlinien der Bundesagentur für Arbeit beschrieben. Vereinfacht zusammengefasst muss ein Anbieter Folgendes nachweisen:

BereichAnforderung
TrägerzulassungSchriftliches Qualitätsmanagementsystem, dokumentierte Prozesse
LehrkräfteFachlich und pädagogisch qualifiziert, dokumentiert
Räume und TechnikGeeignet für die Maßnahme, bei Online auch die Plattform
MaßnahmenkonzeptKlares Lernziel, klare Inhalte, klare Prüfung
VermittlungsorientierungMaßnahme muss Vermittlungschancen erhöhen
DokumentationTeilnehmerlisten, Anwesenheit, Ergebnisse, Beschwerden

Dazu kommt eine Maßnahmenzulassung pro einzelnem Kurs. Trägerzulassung allein reicht nicht. Jede Maßnahme bekommt eine eigene Maßnahmenummer und wird einzeln geprüft.

Wie du erkennst dass ein Anbieter AZAV-zertifiziert ist

Der einfachste Weg ist KURSNET, die Datenbank der Bundesagentur für Arbeit. Ist ein Kurs dort gelistet, ist die Maßnahme zugelassen. Auf der Anbieter-Webseite findest du in der Regel das Logo der Zertifizierungsstelle, also DEKRA oder TÜV, kombiniert mit dem Hinweis “Trägerzulassung nach AZAV”. Drei konkrete Belege, die du verlangen darfst: die Trägerzulassungs-Urkunde der Zertifizierungsstelle mit Gültigkeitsdatum, die Maßnahmenummer des konkreten Kurses zur Kontrolle in KURSNET, und zumindest auszugsweise Einsicht ins Qualitätsmanagement-Handbuch auf Anfrage.

Wer dir keine dieser Unterlagen zeigen kann, ist entweder nicht zertifiziert oder unsauber organisiert. In beiden Fällen wirst du den Bildungsgutschein nicht einlösen können.

Mehr zur konkreten KURSNET-Suche steht im Artikel zur Maßnahmenummer. Wer sich zusätzlich die Unterschiede zwischen den Zertifizierungsstellen ansehen will, findet sie im Beitrag AZAV vs DEKRA vs TÜV.

Was AZAV nicht garantiert

AZAV prüft Strukturen und Prozesse, nicht das didaktische Erlebnis im einzelnen Kurs. Eine Zertifizierung sagt nichts darüber, ob die Lehrkraft an einem konkreten Tag gut erklärt, ob der Praxis-Anteil zu deinem Lerntyp passt oder ob das Tempo dir liegt. Sie sagt nur: Der Anbieter erfüllt die Mindestanforderungen, und die Maßnahme ist auf Vermittlung ausgerichtet.

Wer auf die Anbieterqualität schauen will, sollte zusätzlich auf folgende Punkte achten: Praxis-Anteil, Größe der Lerngruppe, Erreichbarkeit der Dozenten, Portfolio-Arbeit als Abschluss, Live-Unterricht statt nur Aufzeichnungen. Der Digitalisierungsmanager bei SkillSprinters umfasst 720 Unterrichtseinheiten über 4 Monate und ist DEKRA-zertifiziert. Der Praxis-Anteil liegt bei rund 40 Prozent.

Ausführliche Hinweise stehen im Artikel welche Fragen du zur Qualität stellen solltest.

Warum die AZAV-Frage in deinem Beratungsgespräch wichtig ist

Dein Berater bei der Agentur für Arbeit kennt das Verfahren. Sagst du im Gespräch “Der Anbieter ist DEKRA-zertifiziert nach AZAV, die Maßnahmenummer habe ich dabei”, signalisierst du zweierlei. Du hast recherchiert. Und du verschwendest die Zeit deines Beraters nicht mit einem Anbieter, der den Bildungsgutschein gar nicht einlösen kann. Beides erhöht die Wahrscheinlichkeit einer wohlwollenden Prüfung deines Antrags.

Mehr zur Argumentation gegenüber dem Berater findest du im Artikel zu den fünf besten Argumenten. Grundlagen zum gesamten Antragsprozess stehen in der Pillar-Seite zum Bildungsgutschein.

Häufige Fragen

Was bedeutet AZAV ausgeschrieben?

AZAV steht für Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung. Sie regelt nach §§176ff SGB III, welche Träger und Maßnahmen für die Förderung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter zugelassen werden.

Wer stellt die AZAV-Zertifizierung aus?

Akkreditierte Zertifizierungsstellen wie DEKRA oder TÜV. Diese sind ihrerseits von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) zugelassen. Die Bundesagentur für Arbeit prüft nicht selbst.

Wie lange ist eine AZAV-Zertifizierung gültig?

Die Trägerzulassung gilt in der Regel fünf Jahre, mit jährlichen Überwachungsaudits. Maßnahmenzulassungen sind an die einzelne Maßnahme gebunden und können separat enden, etwa wenn ein Kurs überarbeitet wird.

Reicht die Trägerzulassung allein für meinen Bildungsgutschein?

Nein. Der Träger muss zertifiziert sein UND die konkrete Maßnahme muss eine eigene Maßnahmenummer haben und in KURSNET gelistet sein. Beides ist Pflicht, eines ohne das andere reicht nicht.

Kann ich die AZAV-Urkunde meines Anbieters sehen?

Ja, das darfst du verlangen. Seriöse Anbieter zeigen die Urkunde auf Anfrage. Wer das verweigert, ist kein guter Anbieter für dich, denn ohne Nachweis löst die Agentur für Arbeit den Bildungsgutschein nicht ein.

Autor

Dr. Jens Aichinger, Gründer von SkillSprinters, DEKRA-zertifizierter Bildungsträger nach AZAV. Promovierter Naturwissenschaftler mit über zehn Jahren Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Berät Antragsteller im Gespräch vor dem Gespräch bei der Agentur für Arbeit.

Mehr über mich auf /über-den-autor/.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

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Weitere Informationen direkt bei der Bundesagentur für Arbeit zum Bildungsgutschein und im SGB III auf gesetze-im-internet.de.

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